Die prognostische Wartung wirkt sich verstärkt auf die Bilanz aus, wenn sie in eine breitere Assetmanagement-Strategie im Werk integriert ist.
„Vorhersagen sind äußerst heikel, besonders über die Zukunft,“ witzelte der dänische Atomphysiker und Nobelpreisträger Niels Bohr zu Beginn des letzten Jahrhunderts.
Wenn jedoch Flauten die Zukunft der Fertigungsbranche aufs Spiel setzen und Werkstilllegungen und Ausfallzeiten Ihre Bilanz plötzlich in Gefahr bringen, gilt es möglichst genaue Vorhersagen zu treffen, um Probleme zu vermeiden.
Dabei ist die neue Technologie mit Sicherheit hilfreich. Prognostische Wartung und Überwachungsmethoden der jeweiligen Bedingungen, die ständig betriebskritische Faktoren der Maschinenleistung wie den Ölstand, die Vibrationen, Akustik und Wärme prüfen, ermöglichen es jetzt Unternehmen, bedeutende Ausfälle und Produktionsprobleme von vorneherein auszuschließen und helfen dem Management bei der Einplanung wichtiger Wartungstermine und Reparaturen zur geeigneten Zeit, um Werksausfälle, Arbeitsunterbrechungen und Kosten gering zu halten.
So setzte z. B. das größte chemische Werk des belgischen Chemie- und Krankenversorgungskonzerns Solvay im französischen Tavaux prognostische Methoden der Emerson Electric Asset Management Suite (AMS) ein, um zehn- bis fünfzehnprozentige Produktivitätssteigerungen seiner Wartungsabteilung zu erzielen. Mit mehr als 15.000 Geräten, die werkweit verwaltet werden und 60.000 Eingaben und Ausgaben erreichen, konnte das AMS-System zudem eine Steigerung von 20% bei komplexen Instrumenten am Solvay-Standort erzielen, ohne dazu weiteres Personal bereitstellen zu müssen.
Gemäß Giacomo D’Andrea, Servicemanager für Automatisierung, Instrumentierung und Stromversorgung bei Solvay, zahlte sich dies auch anderweitig bedeutend für das Werk aus. „Bei der Bereitstellung der Ausstattung bedeutet dies eine erhebliche Wertsteigerung und wurde somit zum Hilfsmittel, das wir täglich zur Identifizierung, Standardisierung, Instrumentenkonfiguraion und Speicherung von Referenzwerten verwenden, “ sagte er.
Die praktische Erfahrung führte die Unternehmen jedoch auch zu der Erkenntnis, dass der Gebrauch prognostischer Systeme für den laufenden Betrieb der Maschinen das Problem nur zur Hälfte löst. Der wahre Nutzen für die Bilanz entsteht, wenn der prognostische Ansatz und die damit erfassten Daten Bestandteil einer breiter angelegten Suite von Assetmanagement-Prozessen oder Kapitalverwaltungsabläufen sind.
„Die größte potenzielle Gefahr der isolierten Implementierung von prognostischer Werkswartung konnten wir umgehen. Wir möchten, dass der gesamte Produktionsablauf vorhersehbarer und stärker planungsfähig ist,“ so André Ertel, Projektmanager beim Industrie- und Einzelhandelsplastikverpackungshersteller Linpac Allibert im englischen Birmingham, der zum globalen, 1,2 Mrd. € starken Verpackungsunternehmen Linpac Group gehört. „Wir sind der Auffassung, dass der Einsatz von Werkswartung nur ein Teil eines integrierten Systems mit anderen Modulen ist. Sie hatte nachweisliche Auswirkungen auf unsere Bilanz, da es letztendlich nicht nur um die Zuverlässigkeit der Maschinen geht, sondern um die Zuverlässigkeit für den Kunden.“
Die richtigen Informationen
Durch Einsatz eines allumfassenden Geräteeffizienzpakets (OEE oder Overall Equipment Effectiveness) vom ERP-Lieferanten IFS, zu dem auch prognostische Wartung zählt, weiß Linpac jetzt mehr über die Leistung seiner 61 Spritzgußformmaschinen im englischen Hauptwerk und kann die Maschinenwartung oder den Ersatz von Maschinenteilen genauer einplanen. Somit entstehen nicht nur Kosteneinsparungen bei der direkten Wartung und im Service, sondern der Werksleitung wird auch zur zuverlässigeren Planung von wichtigen Produktionsläufen verholfen.
„Ein Aspekt war die rechtzeitige Verfügbarkeit der richtigen Informationen und Einbindung dieser Informationen in unsere Kundenplansysteme,“ meinte Herr Ertel von Linpac. „Dies bedeutet, dass wir jetzt wissen, dass wir ein paar weitere Aufträge mit in die Produktion nehmen können. Wir können unseren Kunden kürzere Lieferzeiten anbieten und erzielen somit eine höhere Zufriedenheit im Kundenstamm. Es hat uns sicherlich zu einer höheren Kosteneffizienz im Werk verholfen.“